Als eine zentrale Aufgabe des Freimaurers gilt die Aufforderung „Schaue in dich!“.
Zur Gliederung zeichne ich euch hier zunächst eine Metapher, um verständlicher ausdrücken zu können, was ich fand, als ich in mich schaute. Ich spreche davon wie von Zutaten, die ein Ganzes ergeben und bei einem Rezept sollte man als erstes wissen, was am Ende dabei herauskommen sollte.
Eier, Mehl und Milch ergeben einen einfachen Pfannkuchenteig. Wasser, Kalk und Sand ergeben einen einfachen Mörtel. Ankathete, Gegenkathete und Hypotenuse ergeben das rechtwinklige Dreieck.
Was ich sehe, wenn ich in mich schaue, sind drei Zutaten, die sich jeweils wieder in einzelne Bereiche gliedern
Die erste Zutat dessen, was in mir ist, gliedert sich in das „vorher“, das „jetzt“ und das „dann“
Vorher: Das sind alle Erfahrungen in der äußeren und inneren Welt, die mich geprägt haben und meinen denkenden Geist so formten, wie er jetzt ist. Ich kann über meine Gedanken, Gefühle und Taten der Vergangenheit nachdenken und sie betrachten, aber eben auch nichts weiter tun, als sie zu betrachten.
Jetzt: Das ist stets der größte Teil dieser ersten Zutat von „in mir“, denn es ist der einzig wirkliche und greifbare Teil. Es ist das, was ich beeinflussen und formen kann. Es umfasst mein Bauchgefühl und meine rationalen Abwägungen. Es lässt mich so handeln, wie ich es tue. Unabhängig davon, ob der Mensch einen freien Willen besitzt oder nicht, so ist mein „Vorher zu vielschichtig und komplex als dass ich daraus ableiten könnte, welche Erfahrungen oder Überzeugungen mich zu dieser Handlung im „jetzt“ bringen. Ich kann also nicht sagen, warum ich jetzt denke, fühle und tue, was ich tue. Aber wenn mein Bauchgefühl und meine rationalen Abwägungen mir sagen, dass es das Richtige ist, so ist es das Richtige in mir. Das Bauchgefühl und die rationalen Abwägungen gleichen zwei Linsen mit verschiedenen Färbungen, durch die ich jenen Teil betrachten kann, den ich auch beeinflussen kann. Ich kann zwar durch die gleichen Linsen das „Vorher“ betrachten, doch bleibt es für immer außerhalb von meinem Einflussbereich.
Dann: Das ist der dritte Teil der ersten Zutat des Rezeptes, das das „in mir“ ergeben wird. Mit dem „dann“ ist die Zukunft bezeichnet, die von diesem Moment an bis zu meinem Ableben unerreichbar und mysteriös ist. Zwar beeinflusse ich diese Zukunft bestmöglich durch alles was ich im „jetzt“ fühle und abwäge, in richtig oder falsch unterscheide. Ich kann das „dann“ aber nie durch die zwei gefärbten Linsen betrachten, durch die ich das „vorher“ betrachten kann wenn ich möchte und durch die ich das „jetzt“ permanent betrachte. Dieser Umstand macht das „dann“, im Gegensatz zu den anderen beiden Teilen der ersten Zutat zum nicht realen Teil. Die Hoffnung, das Richtige tun zu werden ist zwar real, doch sie ist jetzt. Auch meine Beurteilung was richtig und was falsch sein wird, ist jetzt. Beurteilen und hoffen sind meine einzigen Annäherungsmöglichkeiten an das „dann“ und sie ermöglichen mir, mich jetzt als der zu bewähren, der vom „Vorher“ geformt wurde.
So habe ich euch die Bestandteile der ersten Zutat beschrieben.
Die zweite Zutat von dem, was ich finde, wenn ich in mich schaue, ist das Ich selbst. Ich, das fleischliche Wesen, das ihr seht und die Stimme, die ihr vernehmt. Dieses Ich kann ich euch am besten als viergliedriges Wesen beschreiben.
Ein Pferd, eine Katze oder auch eine Maus gehen auf vier Beinen. Auf dreien humpelt es dahin und auf zweien kann es nur noch kriechen. Diese vier gesunden Glieder, die mein Ich den ruhigen und gleichmäßigen Gang gehen lassen, nenne ich:
Batterie, Körper, Geist und Seele.
Die Batterie und der Körper sind ohne weitere Erklärungen verständliche Begriffe für die ersten beiden dieser vier Glieder. Jedoch lassen sie sich kaum voneinander trennen, um zu beschreiben, wo ein Bein aufhört und wo das andere beginnt. Es gibt größere Schnittmengen und auch klare Unterschiede.
Seele und Geist sind ebenso zwei Glieder, die eine große Schnittmenge haben. Vergleiche ich die übrigen vier Paarkombinationen dieser vier Glieder, so ergeben sich kleinere Schnittmengen und klarere Unterscheidungen. Die Paare Geist und Seele sowie Batterie und Körper sind für mich die Paare, die ich instinktiv zusammenfasse. Trotzdem sind auch die Zusammenhänge der Batterie mit dem Geist und der Seele, sowie die von Körper mit Geist und Seele vorhanden und unabdingbar für den gleichmäßigen Rhythmus meines Ganges als viergliedriges Wesen.
So habe ich euch die Bestandteile der zweiten Zutat beschrieben.
Ich komme also zur dritten und letzten Zutat dessen, was ich sehe, wenn ich in mich schaue.
Es ist der Zweifel und die Gewissheit zugleich. Die dritte Zutat ist die Art und Weise der Erkenntnis. Woher weiß ich, was ich weiß und kann ich wissen, dass es stimmt?
Ja meine geliebten Brüder das kann ich, denn ich habe in mir drin das Vertrauen, dass ich bin und dass ihr seid. Ich schaue in mich und sehe, dass wir sind, genau so wie ich daran glaube, dass das Pferd auf vier Beinen am gleichmäßigsten geht, dass die Vergangenheit unabänderlich ist und die Zukunft kaum gesichert vorhersagbar ist. Genauso glaube ich, dass wir sind und trage diesen Glauben als Erkenntnis in mir. Ich glaube, dass ich denke.
Ich denke, also bin ich.
Ich zweifle nicht daran, dass ich nie Gewissheit erlangen werde, doch mein Glaube daran, dass das, was ich denke, stimmt und existiert, mein Glaube an die Existenz selbst, dieser Glaube ist die dritte Zutat.
Ich denke, also bin ich.
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